Pseudo-Review: Nous parlons francais aujourd’hui…

Ihr Barbaren! Warum gebt ihr euch eigentlich noch mit solchen kulturfeindlichen, barbarischen Sprachen ab wie dem Deutschen oder, noch viel archaischer, dem Englischen? Wir müssen es dem im 17. Jahrhundert schmausendem Hochadel gleichtun, und uns die französische Sprache genüsslich aneignen. Ganz wie Friedrich der Große, der seine literarischen Werke in dieser erlauchten Sprache veröffentlichte. Diese, dem Pöbel fern stehende Oberschicht wusste eben, was sich sprachlich ziemt. Und wer sich also diesem ancien régime, und dem damit einhergehenden Sprachreinigungs- und Kultivierungskurs anschließen möchte, der bekommt auf dem DS nun die Gelegenheit dazu. Lassen wir uns in sprachlicher Hinsicht reformieren und vor allem: veredeln!


Es gibt doch nichts Langweiligeres als das sture Pauken von Vokabeln. Das ging vielleicht noch vor ein paar Jahren an, als man als strebsamer Schüler sein Dasein auf der Schulbank drückte, doch im fortgeschrittenen Alter, eingedenk der sich hinzugesellenden Schar von Videospielen, hat man für diesen stupiden Quatsch einfach keine Muße mehr. Desto praktischer ist es, wenn sich ein fürs Entertainment erster Güte geschaffener Handheld für diese biedere Angelegenheit anbietet. Eine Videospiele-Konsole paart sich mit einem pädagogisch wertvollen Bildungsprogramm: My French Coach!

Ich lebe zwar gewöhnlich direkt neben der französischen Grenze, doch mein Französisch ist trotz allem recht rudimentär ausgebildet. Und diesen Bildungsmissstand auf die Spitze treibend, habe ich diese von mir zeit meines Lebens favorisierte Sprache aus purer Leichtfertigkeit und Bequemlichkeit in der Oberstufe des Gymnasiums abgewählt – ich meine, wenn man schon die Möglichkeit bekommt, Fächer auszustreichen, die das Arbeitspensum ansonsten unnötig in die Höhe schrauben, dann muss man als fauler Schüler einfach die Option wahrnehmen (was man nicht muss, macht man auch nicht). Tja, diese Lehrerschar und ihre verfehlte Bildungspolitik.

Okay, lassen wir die Jugendsünden beiseite und die unnötigen persönlichen Anekdoten – obwohl, nochmals sei angemerkt, dass wir es hier mit einem Original „Pseudo-Review“ zu tun haben – das entbindet mich von jeglicher Pflicht, versuchsweise objektiv über ein „Spiel“ zu fabulieren. Und wenn ich am Ende ein Wertungskasten darunter platzieren würde, dann bekäme ich dafür sogar noch einen Batzen Geld mehr. Aber darauf verzichte ich gern, um hier an keinen offiziell normierten Maßstäben von professionellenTestern gemessen zu werden.

So das vorausgeschickt, sei noch kurz etwas zum Lernprogramm gesagt. Einmal kurz aufraffen und los geht’s!

My French Coach ist ein Lernprogramm für den Nintendo DS, das euch die wundersame französische Sprache näher bringt. Das tolle an dem kleinen Programm ist, dass ihr, bevor ihr voller Tatenfreude loslegt, einen Vorabtest absolvieren müsst, der eure Vorkenntnisse behutsam in Form eines Multiple-Choice-Tests abtastet und dementsprechend Lektionen überspringt. So müsst ihr euch gegebenenfalls nicht mit den langweilig zu lernenden Wochentagen oder Begrüßungsformeln abgeben, sondern könnt gleich in die ernsthafte Materie einsteigen.

Das Spiel teilt sich in mehrere Disziplinen auf, die jeweils vielleicht gerade einmal 10 Minuten in Anspruch nehmen. Dabei werdet ihr vor allem mit Vokabeln traktiert, die aber allesamt in spitzenmäßiger Qualität vertont worden sind. Das ist auch eine der Stärken dieses Programms, dass ihr eure Aussprache gezielt verbessern könnt, was auch durch die Benutzung des Mikrofons erleichtert wird. Ihr könnt nämlich eure Aussprache aufnehmen und mit der Originalaufnahme nach Belieben vergleichen. Die französische Sprache ist mit unglaublich vielen Finessen ausstaffiert, die sich gerade in der enorm subtilen Aussprache widerspiegeln.

Damit sich die Vokabeln auch gehörig einprägen und nicht gleich wieder im Kurzzeitgedächtnis versickern, serviert euch das Spiel eine ganze Reihe von mehr oder wenigen gelungenen Minispielen. Die Qualität reicht von blamabel über mittelmäßig hin bis zu didaktisch wertvoll. So werdet ihr euch nach einer gewissen Spielzeit wahrscheinlich auf zwei, drei Spielchen konzentrieren, die euch die Vokabeln am Besten vermitteln können. Zwar steht der Lernerfolg im Vordergrund des Ganzen, doch die Minispiele hätten im Langzeittest etwas abwechslungsreicher und vielseitiger ausfallen können. Aber da es sich hier um ein waschechtes Lernprogramm handelt, wollen wir auch fairerweise andere Bewertungsmaßstäbe zugrunde legen.

Worauf sich das Spiel mehr hätte stützen können, ist die im Französischen teils sehr komplizierte Grammatik. Zwar müsst ihr in einem Minispiel mehr oder weniger den Satzbau richtig hinbekommen und auch Verben konjugieren, doch meiner Meinung nach wird der Grammatik-Teil etwas von dem Pauken der Vokabeln überschüttet. Ich habe bei weitem noch nicht alle Lektionen absolviert (und davon gibt es eine ganze Horde), doch ich habe mir von IGN.com sagen lassen, dass das Programm wichtige Punkte wie das passé compose (Vergangenheitsform) oder future nicht in einschließt. Damit  entgeht euch eine enorm wichtige Komponente der Sprache. Letztlich beschränkt sich das Spiel auch darauf, euch die Grundkenntnisse zu vermitteln. Und auch wenn ihr kein Wort Französisch könnt, lässt sich das Produkt angehen. Nur wer mit Vorkenntnissen beladen ist, wird meiner Meinung nach auch mehr Spaß damit haben (einfach weil am Anfang der Erfolgsfaktor enorm hoch ist).

Ebenso enttäuschend ist das Fehlen der Angabe des Geschlechts bei Substantiven. Die darauf hinweisenden Artikel (definit: le und la; indefinit: une und un) sind den Wörtern nicht beigefügt, so dass ihr in diesem Bereich im Dunkeln tappen werdet. Eigentlich unverständlich, einfach weil dies im Französischen ein elementarer Zusatz ist und nicht einfach übergangen werden darf. Aber ich habe mir von einer kompetenten französisch sprechenden Frau sagen lassen, dass Franzosen die falsche Benutzung von Artikeln recht billigend in Kauf nehmen. Trotzdem gehört der feminine bzw. maskuline Artikel zu einem Wort dazu, der gesondert gelernt werden muss.

Letztendlich haben wir es aber im Endeffekt mit einem vorzüglichen, kleinen Lernprogramm zu tun, das ein tiefergehendes Studium aber auf keinen Fall ersetzen kann – dafür nimmt sich der Grammatik-Teil meiner Meinung nach zu rudimentär aus. Punkte sammeln kann das Programm vor allem im Audio-Bereich, da alle Vokabeln professionell vertont worden sind. Zusätzlich erhaltet ihr ein interaktives Wörterbuch, das alle im Spiel archivierten Vokabeln fein säuberlich auflistet, was enorm hilfreich ist. Wir können absolut eine Empfehlung aussprechen und hoffentlich erscheint My French Coach auch in Deutschland, denn bisher ist das Teil nur in den USA erhältlich.

Korrektur: Das Programm kommt unter dem eingedeutschten Namen “Mein Französisch Coach - Verbessere dein Französisch” auch in Deutschland heraus. Laut amazon.de am 28. August 2008. Für 29,99€ könnt ihr es ruhig wagen.


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7 Kommentare zu “Pseudo-Review: Nous parlons francais aujourd’hui…”

  1. Kristin
    Kristin
    Sagt::

    Kann es sowas nicht mal für Schwedisch oder Norwegisch geben?

  2. Joerg
    Joerg
    Sagt::

    Smörrebroed?

  3. Mandarine
    Sagt::

    Ja, Schwedisch wäre cool! Würde ich sofort kaufen!
    Köp!
    Rudimentär scheint das Lieblingswort vom Redakteur zu sein ;)

  4. Joerg
    Joerg
    Sagt::

    LOL

  5. denglish
    Sagt::

    Ich brauche sowas für Spanisch. Auf englisch solls das ja schon geben.

  6. Kristin
    Kristin
    Sagt::

    Spanisch-Coaches hab ich aber schon irgendwo gesehen.
    Aber für schwedisch bin ich auf jeden Fall! Werd das ab nächstem Semester anfangen zu lernen und in den Semesterferien ein bisschen vorzuarbeiten kann bei Sprachen sicher nicht schaden.

  7. Japanisch für Anfänger auf NDSWelt.com - Inoffizielles Nintendo DS Magazin
    Sagt::

    [...] etwa zwei Monaten machten wir euch mit My French Coach bekannt; jetzt wird in der Welt der Trainingsprogramme für Nachschub gesorgt. Nachdem Ubisoft nun [...]

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